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Räucherkult und Räuchern mit dem FLIEGENPILZ ...

Fliegenpilz Räuchern Räucherwerk Räucherstoff Amanita muscaria Räucherung Ritual Naturritual Räucherritual Schamanismus fly agaric incense

Es ist in unserer heutigen Räucherkultur in den letzten Jahren immer mehr zur Gewohnheit geworden, den Fliegenpilz – in unübersehbarem Zusammenhang mit Schamanentum und den heutigen Vorstellungen von unseren europäischen Ur-Kulturen - als Räucherstoff zu verwenden. Diese Entwicklung und das steigende Interesse an diesem Pilz veranlassen zu einem näheren, ganz aktuellen Blick auf seine Verwendung und Wirkung bei Räucherungen.

 

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Der FLIEGENPILZ (Amanita muscaria) mit seiner roten, weiß beflockten Kappe, ist wohl einer der bekanntesten Pilze überhaupt, wenn nicht sogar DER bekannteste Pilz und es dürfte kaum einen Menschen geben, der den leuchtend roten Hut mit den weißen Tupfen nicht sofort erkennt. Dieser Pilz gilt allgemein als "gefährlicher Giftpilz", ist aber lediglich dahingehend "giftig", dass er als Halluzinogen sehr wirksam ist und überall, wo er vorkommt, von den ortsansässigen Kulturen auch als solches verwendet wird. Viele Mythen dieser Welt beschreiben folglich seine Ursprünge und Wirkungen, so dass die weltweite Geschichte, Symboliken und Aspekte dieses Pilzes als Entheogen bzw. Psychedelikum bereits mehrere ganze Bücher füllen.....

Doch wie die meisten Gewächse seiner Art, löst er aufgrund seiner wirksamen Substanzen auch entsprechend unangenehme physische und psychische Symptome aus, kann also starke "Nebenwirkungen" haben, was schon zu mancher ärztlichen Behandlung nach Experimenten mit diesem Pilz geführt hat und ihn nach wie vor "giftig" macht - nachhaltige gesundheitliche Schäden, insbesondere auf psychischer Ebene, sind durchaus möglich und wissenschaftlich beschrieben. Zudem ist der Wirkstoffgehalt immer unvorhersehbar, denn wie bei Pflanzen, variieren auch bei Pilzen die Wirkstoffe je nach Jahreszeit und Tageszeit, Standort, Witterung und Individuum und dies ist dem Pilz äußerlich nicht anzusehen...

 

Es sei also ganz klar gesagt, dass in diesem Artikel KEINE Selbstversuche in Form des Konsums von Fliegenpilzen oder mit Zubereitungen aus ihm, zur Erzeugung von starken Halluzinationen, als Experiment oder zum Spaß, beschrieben oder empfohlen werden !!!

 

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Vorsätzlich von "gutmeinenden" Menschen zertretene Exemplare nahe von Waldwegen sieht man aber leider nach wie vor öfters als Zeugnis dafür, dass immer noch die Meinung existiert, die "böse" Natur müsse zum Schutz der Menschheit vehement bekämpft werden. Solche Gedanken sind in einem stark naturverbundenen, oder gar naturspirituellen Weltbild aber selbstverständlich völlig fremd und der Pilz löst bei dafür offenen Menschen vielmehr eine starke Faszination und Begeisterung aus. Seine Besonderheit und vor allem seine enge Verbindung mit schamanischen Weltbildern hat ihn in den letzten Jahren auch nachhaltig in die Welt des Räucherns gebracht.

 

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Möchte man mit dem Fliegenpilz räuchern, so wird man jedoch feststellen, dass man ihn in Deutschland meistens nicht einfach kaufen kann, so gut wie nirgendwo im Handel für Räucherstoffe, in letzter Zeit aber häufiger im Ausland oder von gedankenlos-mutigen (?) Privatpersonen, die selbstgesammeltes Material vereinzelt auf den bekannten Online-Marktplätzen anbieten.

 

Doch ist die Vermarktung dieses Pilzes eine unsichere Situation, da einerseits die aktuellen Gesetzestexte ihn zwar nicht explizit aufführen und verbieten, aber andererseits "Zauberpilze" wortwörtlich zu den verbotenen Substanzen gehören und ihr Begriff sehr wohl dehnbar sein könnte, wenn gewisse Absichten zu erkennen wären und leichtsinnig oder sogar verantwortungslos damit umgegangen wird. Gerade in Anbetracht des Risikos, dass Menschen sehr unterschiedlich stark - und manchmal eben leider auch fatal - auf solche Substanzen reagieren können, sollte über Sinn und Unsinn der Vermarktung des Pilzes nachgedacht werden. 

 

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In der Schweiz gab es bereits im Jahr 2019 ein erstes Gerichtsverfahren mit Urteil, bei dem es um den Verkauf von getrocknetem Fliegenpilz als Pulver - nämlich explizit zum Räuchern und mit einer Warnung vor dem Verzehr deklariert - ging! Das Gericht sprach den Angeklagten zwar frei, da ihm kein vorsätzlicher Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz nachgewiesen werden konnte und weil gleichzeitig der Fliegenpilz und seine wirksamen Inhaltsstoffe (noch) keinen Verboten unterliegen. Räucherwerk zählt rechtlich ferner zu den Gebrauchsgegenständen. Doch es gibt, verursacht durch solche Vorfälle, schon Diskussionen über baldige Verbote des Fliegenpilzes.

Auch das Räuchern selbst, das zunehmend als phytotherapeutische Medizin und Behandlugsweise beworben wird, bewegt sich immer mehr in eine Richtung, die bald zu gesetzlichen Regelungen führen könnte. Die Tatsache, dass illegale, oder noch nicht illegale, synthetische halluzinogene Substanzen immer wieder getarnt als "Räuchermischungen", oder "Kräutermischungen", auf den Markt kommen, IST ein Problem gegenüber dem Räuchern duftender, wohltuender Pflanzen.

 

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Den Fliegenpilz als Räucherstoff kann man folglich fast nur selbst sammeln und sollte dies auch tun, um sich tatsächlich einmal mit seinem Wesen zu beschäftigen. Die Pilze erscheinen meist im Oktober, je nach Region und Wetter aber auch schon früher im September und in nordischen Ländern bereits Ende August. Sie gedeihen meist auf sauren, oft sandigen Böden, also in Moorgebieten, Nadelwäldern oder in Nadelholzbeständen mit Waldkiefern und Fichten, aber ebenso im Laubwald bei diesen Koniferen, sofern auch Birken in der Nähe sind. Mit der Birke lebt der Fliegenpilz bevorzugt in Symbiose und das ist aus naturspiritueller Sicht auch nicht verwunderlich, sind es doch die Lichtbäume, verbunden mit einem Pilz, der mythologisch im Zusammenhang mit geistiger "Erleuchtung" als "das Licht im heiligen Hain" oder gar als Symbol des ganzen Universums gilt.

 

Für viele Menschen ist der Fliegenpilz unwirklich und die Begegnung mit ihm unterliegt gewissen Hemmungen, aber gerade bei Laien und umso mehr bei Pflanzen- und Räucherkundigen übt er die besagte Begeisterung und unbeschreibliche Faszination aus. Es ist in diesen Tagen sichtlich zur Gewohnheit geworden, sich nicht nur bei jeder Art der Arbeit mit sakralen Gewächsen und Naturspiritualität in den SocialMedia mit ihnen zu präsentieren, sondern sich auch ganz frei mit solchen Gewächsen zu identifizieren. Der Fliegenpilz hat also einen gewissen "Kultstatus", er wird wahrgenommen und allein deswegen gesammelt. Dies wird gern von unkundigen Menschen nachgemacht - aber oft wissen die Sammler dann nicht, warum und wozu sie dies tun!? So ist es viel wichtiger, gegenüber neugierigen "normalen" Menschen und Neulingen, vorwiegend die nötige Aufklärung über den Fliegenpilz zu leisten und die Sichtweise auf die Natur als Freizeitrefugium um Respekt, Wertschätzung und vielleicht sogar um Heiligkeit zu erweitern.

 

Zu selben Jahreszeit können in den Herbstmonaten, zusammen mit dem Fliegenpilz, noch weitere Räucherstoffe für die dunkle Jahresphase und ihre Feste gesammelt werden und zu einer solchen Wanderung gehören auch immer kleine Naturrituale als Dank! Das Erscheinen des Fliegenpilzes fällt in den heimischen Wäldern, im Jahreskreis gesehen, in etwa in die Phase zwischen Mabon und Sahmain, dessen erste Fröste die Pilzzeit dann bald beenden.

 

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Ein Fliegenpilz kann tatsächlich gefahrlos angefasst werden, also sind Gummihandschuhe zur Ernte, welche mir eine gute Bekannte in gebrauchter Form einmal gleich zusammen mit einigen Fliegenpilzhüten als Geschenk mitbrachte, durchaus verzichtbar… Berührungen des Pilzes sind wirklich völlig ungefährlich, wobei psychosomatische Reaktionen wie taube Finger, verursacht durch Ängste, durchaus denkbar wären. Es ist natürlich absolut richtig, den Fliegenpilz beim Sammeln von Speisepilzen und bei deren Verarbeitung, tunlichst von ihnen zu trennen. Dennoch gibt es teils Rezepte und spezielle Zubereitungen für verträgliche Speisen mit dem Fliegenpilz, deren Grundlage das gründliche Wässern ist, welches die halluzinogenen Wirkstoffe entzieht.

 

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Gesammelt werden unbeschädigte, nicht überalterte, nicht durchnässte und nicht madige Hüte ohne Stiel, die man anschließend trocknet. Sie sollten auf oder an einer Wärmequelle zügig innerhalb von 1-2 Tagen trocknen, denn Pilze schimmeln und faulen sehr leicht und sind deswegen generell diffizil bei der Trocknung. Starker Madenbefall in den Stielen kann die Pilze zudem schneller zerstören und "zerfließen" lassen, als sie sich trocknen lassen. Dagegen hilft auch kein Heißluftföhn... Vollständig durchgetrocknete, zerbröselnde Fliegenpilzhüte ziehen auch in dichten Behältern mit der Zeit wieder Feuchtigkeit an, was das Trockengut aber nicht schädigt. Die getrockneten Hüte bleichen mit der Zeit allerdings stark aus und sollten deswegen entsprechend lichtgeschützt sowie unbedingt ganz sicher vor Insektenbefall gelagert werden - Lebensmittelmotten befallen trockene Pilze äußerst gern, auch Fliegenpilze!
Die spätere Aufbewahrung sollte so sein, dass nur man selbst diesen Räucherstoff erreicht!

 

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Durch Trocknung und Wärme bilden sich die Wirkstoffe des Fliegenpilzes, die ihn bewusstseinserweiternd machen, in ihrer eigentlichen Form und Konzentration: Es heißt, die Ibotensäure im Pilz wird durch Decarboxylisierung  zum stark halluzinogenen Muscimol, dem Hauptwirkstoff des Pilzes. Neuere Forschungen weisen allerdings darauf hin, dass möglicherweise auch noch unbekannte Wirkstoffe oder vielmehr ganze Wirkstoffkomplexe verantwortlich für die Wirkung sind. Normalerweise wird der Pilz gegessen oder bestimmte Zubereitungen wie alkoholische Auszüge aus ihm werden getrunken, um ihn als Halluzinogen zu nutzen. Räuchgerungen sind hierfür keine gängige Methode, sie unterliegen weiterhin der Erforschung und Erfahrung auf Ebenen, die sich nicht auf halluzinogene Wirkungen und "Psychonautik" allein fokussieren.

 

Das Erzeugen eines akuten, unkontrollierten Rausches ist NICHT der Sinn und Zweck von naturspirituellen Räucherungen mit dem Fliegenpilz, sondern es geht um die viel zitierte "feinstoffliche" Wirkung und um die pflanzenmythologische und naturmagische Symbolik!

Es gilt beim Räuchern von Fliegenpilz, trotzdem, der immer im Zusammenhang mit giftigen Gewächsen erwähnte RESPEKT und eine gute Kenntnis der Materie, so dass er ein Räucherstoff für Kenner ist und nicht ohne gute Kenntnisse von Räucher-Neulingen geräuchert werden sollte !!!

 

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Räuchert man den Fliegenpilz, verwendet man üblicherweise auch nur sehr kleine getrocknete Mengen in Form fein zerkleinerter oder gemörserter Hüte als Teil von Räuchermischungen. Es sei jedoch angemerkt, dass auch das vorsätzliche Rauchen der abgezogenen Huthäute von Fliegenpilzen, gemischt mit Tabak, laut Literatur eine Form des Konsums sein soll, um einen Rausch zu erzeugen. Üblicherweise wird der Pilz aber gegessen oder Zubereitungen aus ihm werden getrunken. Es bliebe nur, genauer zu erforschen, wie sehr Wirkstoffe über Rauch überhaupt freigesetzt und aufgenommen werden können?

 

In den geringen Mengen, die normalerweise in einer Räucherung in ihrem üblichen Rahmen verwendet werden, entwickeln sich nach aktuellem Wissen kaum bedenkliche Wirkungen, wenn die allgemeinen Regeln des Räucherns beachtet werden; zur Sicherheit kann zunächst auch draußen in der Natur geräuchert werden, was für die ersten Erfahrungen mit diesem Gewächs und allen anderen dieser Art, auch stets empfohlen wird. Geschlossene Räumlichkeiten sollen sowieso bei allen Räucherungen gelüftet werden, egal welche Pflanzen verräuchert werden. Viele Räucherkundige sammeln und verwenden aus Respekt vor dem beseelten Pilzwesen lediglich einen Hut pro Jahr, der auch problemlos ein Jahr lang reicht.

 

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Kulturell gibt es, nach aktuellem Stand der Forschung und Literatur, kaum sicher nachgewiesene traditionelle und ganz explizite Räucherrezepturen oder Räucheranwendungen mit dem Fliegenpilz - was aber nicht bedeutet, dass es sie nicht gibt oder nie gegeben hat. Dies macht es nur schwierig, das Räuchern mit dem Fliegenpilz als Tatsache zu verallgemeinern und so darzustellen, als wäre es nachweislich uralt und traditionell überliefert - das ist es nicht, jedenfalls nicht beweisbar.

Dies könnte aber auch nur daran liegen, dass es als "Nebensache" nie dokumentiert wurde oder das Wissen darüber verlorenging. Urkulturen hatten keine schriftlichen Überlieferungen.

Es lässt sich also nicht wissenschaftlich anhand von Funden oder schriftlicher Überlieferung belegen, aber es darf davon ausgegangen werden, dass bereits unsere Ahnen in der archaischen Zeit des Paläolithikums den Fliegenpilz und seine Wirkungen gekannt haben und ähnlich verwendeten, wie es bis heute geschieht. Fliegenpilzkult ist aus dieser Sicht wohl so alt wie die Menschheit und ihre animistische beziehungsweise schamanische Naturverbundenheit.

 

Der "Duft" oder vielmehr Geruch einer Fliegenpilzräucherung ist äußerst eigen. Räuchert man den getrockneten Fliegenpilz allein auf Kohle, so wird ein warmer, dumpfer Geruch nach wenigen Sekunden zu einem stark verbranntem Gestank, während das Pilzmaterial verkohlt. Deswegen ist es üblich, den Fliegenpilz als Teil von Räuchermischungen, die viele Harze und andere sehr duftintensive Kräuter enthalten, zu verräuchern. Je feiner zerkleinert der Pilz ist, desto besser. Gemäß dem üblichen Kontext von Fliegenpilzräucherungen, wird er gern mit heimischen Harzen, Hölzern, Rinden und Nadeln von Koniferen gemischt, außerdem harmonieren Flechten, Moose und stark duftende Moorgewächse geruchlich, genauso wie thematisch, mit ihm. Der Fligenpilz selbst enthält keine ätherischen Öle oder andere duftende Substanzen, sondern hat neben seinen bewusstseinserweiternden Inhaltsstoffen besonders seinen sehr starken Symbolcharakter.

 

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Fliegenpilz Räuchern Räucherwerk Räucherstoff Amanita muscaria Räucherung Ritual Naturritual Räucherritual Schamanismus fly agaric incense Samhain Jahreskreis Rabenbrot

Der Fliegenpilz wird allgemein sehr gerne schamanisch orientierten Räucherungen zugegeben oder solchen, die der ur-germanischen Tradition und ihrem "Schamanengott" Odin / Wotan zugeordnet werden. Der Fliegenpilz ist diesem Gott sogar geweiht! Ein volkstümlicher (aber auch der altägyptische) Name des Fliegenpilzes ist „Rabenbrot“, was in Zusammenhang mit Odins beiden Raben ‚Hugin‘ („Gedanke“) und ‚Munin‘ („Erinnerung“) gesehen und interpretiert werden könnte, gerade angesichts der bewusstseinsverändernden Wirkungen des Pilzes. Odin / Wotan trägt nicht nur den Beinamen „Rabengott“, sondern die Fliegenpilze sollen neun Monate später auch genau dort wachsen, wo während der “Wilden Jagd“ im Winter der blutige Schaum vom Maul seines achtbeinigen Pferdes ‚Sleipnir‘ auf den Boden getropft ist. Die Zahl 9 steht in verschiedenen Kulturen auch für die Anzahl der schamanischen Welten, so auch im urgermanischen Weltbild. Dies zeigt deutlich, wie stark und untrennbar der Fliegenpilz mit dem Germanentum, als eine von mehreren (angenommen) schamanisch geprägten Ur-Religion Europas, verknüpft ist!

 

Von den Kelten sind ebenso Praktiken überliefert, welche auf Bedeutung und Gebrauch von Fliegenpilzen hindeuten oder dahingehend interpretiert werden können, zweifelsfrei sind diese aber nicht belegbar. Es wäre allerdings verwunderlich, wenn diese stark naturverbundenen und naturspirituellen Völker diesen "Zauberpilz" als Begleiter verehrungswürdiger Baumwesen nicht gekannt und nicht verwendet hätten!? Weitere Hinweise auf ureuropäisches Schamanentum wird in den teilweise naturspirituellen Weltbildern des slawischen Kulturkreises gesehen, wo der Fliegenpilz ebenfalls wohlbekannt war und ist. Zwar mögen die Darstellungen von Fliegenpilzen und der mythologischen Hexengestalt "Baba Yaga" moderneren Interpretationen und Vorstellungen unterliegen, doch spricht dies dennoch dafür, dass auch dort der Fliegenpilz ein bekannter und bedeutsamer Pilz ist, nicht nur in der Mythologie allein, sondern auch in Heilkunde, naturmagischer Praxis und naturspirituellen Vorstellungen.

 

Räucherungen mit dem Fliegenpilz sollen insbesondere den Kontakt mit der unsichtbaren Welt, oder "Geisterwelt" genannt, unterstützen, weil das Bewusstsein und die Wahrnehmung für das Andersweltliche auf subtile Weise geöffnet wird. Gerade deswegen wird der Fliegenpilz bevorzugt zum Jahreskreisfest Samhain und während der Rauhnächte geräuchert, denn dies ist auch die klassische Jahreszeit der Innenschau und Divination. Er stellt als "Schwellenhüter" und "Lichtbringer" stets den Bezug zur Anders- oder Geisterwelt her und erleichtert die Verbindung mit ihr, kann sie sogar sichtbar machen, erlaubt einen Blick über die Schwelle und ermöglicht so die gewünschten oder notwendigen Einsichten. Allgemein soll der Fliegenpilz unsichtbare Mysterien und spirituelle Gemeimnisse offenbaren können und verborgenes göttliches Wissen sichtbar machen. Deswegen ist der Fliegenpilz ein so traditionelles und wichtiges Gewächs für das schamanische Reisen und auch ein Räucherstoff für derartige "Reiseräucherungen" geworden, nicht selten kombiniert mit den Räucherstoffen anderer "Zauberpflanzen" wie beispielsweise Nachtschattengewächsen, welche in ihrer Giftwirkung den Geist stark in die Tiefe und das Unterbewusstsein führen können und damit empfänglich für spirituelle Wahrnehmung machen.

 

Fliegenpilz Räuchern Räucherwerk Räucherstoff Amanita muscaria Räucherung Ritual Naturritual Räucherritual Schamanismus fly agaric incense Samhain Jahreskreis Hexensalben

 

Ferner wird vermutet, dass der Fliegenpilz auch ein Bestandteil der legendären Hexensalben und "Flugsalben" des Mittelalters gewesen sein könnte. Der Name "Fliegenpilz" soll sich nicht von den Insekten ableiten, die er nur betäubt, sondern von Visionen des Fluges, die er auslösen kann.

Ganz sicher ist dagegen:

Es existieren bis heute Salben und Alkoholauszüge aus Fliegenpilzen zur äußerlichen Einreibung als Naturheilmittel und neuere Erkenntnisse lassen sehr vielfältige Heilwirkungen erahnen, besonders auf das Nervensystem oder bei der Behandlung von Schmerzen und Erschöpfung.

 

Die vielen kulturellen Legenden und Mythen, die sich um den Pilz ranken, machen solche andersweltlichen Assoziationen und die Verbindung zu Naturwesen, als deren Wohnstätte die Fliegenpilze in vielen Geschichten und Märchen gelten, sehr deutlich nachvollziehbar. Märchen sind oftmals als "Reisen in die Anderswelt" oder "Botschaften aus der Anderswelt" zu interpretieren und Fliegenpilze gehören fest in ihre Bilderwelt. Auch die Kröte, als ein Tierbegleiter der Hexen, soll den Fliegenpilz als Sitzplatz nutzen, wovon sich sein volkstümlicher Name „Krötenstuhl“ oder englisch „Toadstool“ ableitet. Das Regenwasser, welches sich im aufgewölbten Fliegenpilzhut sammelt und „Zwergenwein“ genannt wird, soll getrunken leicht psychoaktiv sein und ist besonders für naturmagische Zwecke geeignet. Seine Verbindung zu Naturwesenheiten, häufig als ihre Wohnstätte oder sichtbare Manifestation, ist universal. Solche Symboliken und Überlieferungen geben weitere Inspiration, wie der Fliegenpilz als Räucherstoff bei schamanischen Ritualen oder anderen Naturritualen, oder auch nur symbolisch auf den (Natur-)Altar gelegt, ohne ihn zu räuchern, verwendet werden und für uns wirken kann. Dieser Pilz ist aus naturspiritueller Sicht also ein Ur-Symbol für das Spirituelle in der Natur und für unsere schamanische Ur-Kultur selbst! Der Fliegenpilz verbindet uns so gesehen auch sehr direkt mit unseren Ahnen und ihrem alten Wissen und passt deswegen ebenso zu Ahnenräucherungen, aber auch zur Schattenarbeit mit "dunklen" Räucherpflanzen, zu denen er zweifelsfrei gehört.

 

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Traditionelles Schamanentum, wie es teils noch heute in Sibirien praktiziert wird, und auch aus Skaninavien und dem Baltikum mehr oder weniger erinnert und rekonstruiert wird, misst dem Fliegenpilz eine große Bedeutung als ein Mittel bei, um in Trance zu gelangen. Er ist ein Pflanzenhelfer für die schamanische Arbeit in der Geisterwelt. Ethnologisch ist der Gebrauch von Fliegenpilzen als Rauschmittel zur schamanischen Reise, aber vielmehr noch als Rauschmittel für die Allgemeinheit, bei sibirischen und anderen nordischen Völkern sehr gut dokumentiert, dies existiert jedoch darüber hinaus fast weltweit, wo Fliegenpilze wachsen. So soll es ebenso konkrete Hinweise auf solchen Gebrauch aus Nordamerika geben, wo der Fliegenpilz ebenfalls gedeiht.

 

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Als Pflanzenhelfer genießt der Fliegenpilz bei sibirischen Schamanen, neben dem Wacholder oder Sadebaum (‚Artysh‘) und dem Sumpfporst als Räucherstoffe für Trance, und dem Bären als Kraft- und Heilertier, die höchste Wertschätzung und die größte Heiligkeit. Auch in den Mythen sibirischer Urvölker wurde der Fliegenpilz von Gottheiten erschaffen, sowie vom Raben seine Nützlichkeit entdeckt und den Menschen verraten. Birken, deren Begleiter die Fliegenpilze sind, sind in der gesamten nördlichen Welt heilige Lichtbäume und Weltenbäume, auf welche in den Initiationsriten mancher sibirischen Völker die zuküftigen Schamanen als Prüfung mit Leichtigkeit klettern müssen, als Beweis ihrer schamanischen Fähigkeiten. Sie erreichen über die Birke, als Zentrum der Welt, in Trance alle anderen Welten und werden am Ende ihres Lebens bei Birken bestattet, damit ihr Geist von dort aus die jenseitige Welt leicht erreichen kann. Der leuchtendrote Fliegenpilz am Licht- und Weltenbaum Birke als Schlüssel für den Schamanen, die unsichtbaren Welten zu öffnen und zugänglich zu machen, spricht für sich selbst!

 

Die legendäre "Berserkerwut" der germanischen "Bärenkrieger" des alten Europas, wird von manchen Autoren durch einen Rausch mit dem Fliegenpilz erklärt, von anderen dagegen vehement bestritten, da er nicht "rasend" macht. Was auch immer die Wahrheit sein mag, hier in Europa begegnen sich offensichtlich Fliegenpilz und Bär in schamanischen Weltbildern wieder.

 

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Persönlich gehört der Fliegenpilz für mich untrennbar zum Archetyp des "Heiligen Hains", welchen die Wälder Europas bis heute darstellen. Der vor Samhain im Herbstnebel leuchtende Pilz trägt Geheimnisse der Natur und Geisterwelt in sich, welche er dem Räucherkundigen offenbaren kann - auch ganz ohne sich damit in einen Rausch zu versetzen. Vielmehr öffnen Fliegenpilzräucherungen auf subtiler und feinstofflicher Ebene die Pforten und ermöglichen es, die Schwellen zwischen den Welten geistig soweit zu überschreiten, dass Impulse und Botschaften wahrgenommen werden können. Die eigenen Sinne werden für diese Erkenntnisse dabei geschärft. Deswegen ist der Fliegenpilz ein geeigneter Bestandteil von Räucherungen für die Zukunftsschau, aber noch vielmehr für die schamanische Arbeit, insbesondere bei Ritualen draußen in der Natur, wo Verbindung mit dem Andersweltlichen und mit Naturwesenheiten gewünscht wird. Er verbindet nicht nur über Räucherungen mit der Geisterwelt und den göttlichen Wesenheiten unseres Landes, sondern hat für sich allein schon die stärkse Symbolkraft für die unsichtbare Welt, welche in Europa auch heute noch zu uns und zu unserern ursprünglichen schamanischen Kulturen gehört. Er öffnet unseren Geist bereits allein durch sein Sein und darin, über Naturspiritualität und unsere Wurzeln nachzudenken, er erleuchtet den Geist auf jegliche Weise. So ist der Fliegenpilz wohl eine der letzten, sicher nachvollziehbaren Verbindungen zu ureuropäischem Schamanismus, dessen Ursprünge sich in ihm und seinem Gebrauch, auch in Räucherungen mit ihm, noch spüren lassen.