LEXIKON RÄUCHERSTOFFE - Teil V

NÖRDLICHE LAUBHÖLZER

 


 

 

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EINLEITUNG

zum "Räucherstoffe Fotolexikon" mit Hintergrund zum Lexikon und Basisinfos über Räucherstoffe!





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APFEL

 

Die Sammelzeit für das Räuchwerk vom Apfel ist ganz unterschiedlich und richtet sich nach der jeweiligen Zeit im Jahr und nach der Vegetationsphase: Die Blüte des Apfels ist abhängig vom Klima früher oder später im April. Man sammelt bei trockenem Frühjahrswetter in den ersten warmen Tagen, wenn die Blüten sich gerade öffnen. Sie werden sanft und locker bei Zimmertemperatur im Haus getrocknet und haben zunächst einen fein säuerlichen, während der Trocknung dann süßlicher werdenden Duft. Reife Äpfel gibt es ab dem Spätsommer bis zum Beginn des Winters. Es ist wichtig, die Äpfel in einem warmen Bereich zügig zu trocknen und davor noch zu zerkleinern, da sie leicht in Fäulnis übergehen. Möchte man die Frucht als Räucherwerk, empfehlen sich zudem alte, aromatische Apfelsorten mit kleinen Früchten. Rinde und Holz des Apfels können im Spätwinter ab dem Jahreskreisfest "Imbolc" gesammelt werden, wenn die Zeit des Obstgehölzschnitts beginnt und diese Pflanzenteile ihre größte Wirksamkeit haben.

 


BIRKE



BUCHE



EICHE





ESCHE

GEWÖHNLICHE ESCHE - Fraxinus excelsior

FRAXINUS ORNUS - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.
FRAXINUS ORNUS - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.

MANNA - Fraxinus ornus

In Südeuropa gibt es eine Eschenart, die sogenannte SCHMUCK-ESCHE (Fraxinus ornus), deren Harz bzw. bessergesagt zuckerhaltiger Saft - "Manna (cannelata)" genannt - gewonnen und genutzt werden kann - auch als außergewöhnlicher Räucherstoff. Der Name "Manna" nimmt dabei Bezug auf die Bibel, wo eine von Gott gegebene, wundersame Speise so bezeichnet wird.

 

FRAXINUS ORNUS - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.
FRAXINUS ORNUS - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.

Der Baum gedeiht in Süd- und Südosteuropa wild, wurde sogar als Neophyt schon in Süddeutschland nachgewiesen und wird in Italien auf Sizilien auch in Plantagen angepflanzt, um das Manna gewinnen zu können. Während diese Beschäftigung in früheren Zeiten zum Einkommen der Landbevölkerung beitrug und ihr deswegen intensiv nachgegangen wurde, gehört sie heute zu einer verschwindenden Tradition. Nur noch in wenigen Regionen wird Manna gewonnen, und zwar in zwei Gebieten in Madonien.

 

Schmuck-Eschen-Plantage zur Gewinnung von "Manna" auf Sizilien - Foto: © Laetitia Bourget / HOMEMADESICILY.com - Verwendung mit freundlicher Genehmigung.
Schmuck-Eschen-Plantage zur Gewinnung von "Manna" auf Sizilien - Foto: © Laetitia Bourget / HOMEMADESICILY.com - Verwendung mit freundlicher Genehmigung.

 

Zur Gewinnung des Mannas werden im Hochsommer Bäume im Alter von 8 - 10 Jahren täglich mit einem Schaber oder sichelförmige Messer an der Rinde verletzt. Der Saft läuft heraus, teilweise durch Auffangvorichtungen gelenkt, und kristallisiert an der Luft sehr schnell aus, so dass lange, fließförmige Gebilde entstehen, die eine weiße bis leicht gelbliche Farbe haben können. Sie werden eingesammelt, sobald sie ausgehärtet sind und dann noch einmal gut getrocknet. In der Zeit der Ernte ist das Wetter ein sehr kritischer Faktor, denn Manna ist wasserlöslich und kann durch starke Regenfälle verlorengehen.

 

Anschneiden der Rinde (oben) und auskristallisierter Saft (unten) - Foto: © Laetitia Bourget / HOMEMADESICILY.com - Verwendung mit freundlicher Genehmigung.
Anschneiden der Rinde (oben) und auskristallisierter Saft (unten) - Foto: © Laetitia Bourget / HOMEMADESICILY.com - Verwendung mit freundlicher Genehmigung.

 

Manna besteht hauptsächlich aus Zuckern und Alkoholen und ist deshalb wegen seiner Wirksamkeit in der Naturheilkunde und Medizin bekannt. Da es süß schmeckt, wird es auch für die Zubereitung mancher Speisen verwendet.

 

Auch als Räucherstoff wird Manna angeboten, wenn auch nur extrem selten. Nach eigenen Versuchen ist es ... XXX

 


MYRTE

HOLUNDER


LINDE


PAPPEL


WEIDE



MANDELBAUM  & Verwandte ...


ZITRUSGEWÄCHSE


ROSE


SÜSSHOLZ


HOPFEN


LORBEER


EFEU


MISTEL


HEIDEKRAUT


PORST & GAGEL

Die nordischen Moorgebiete beheimaten zwei ureuropäisch-traditionelle Räucherpflanzen - SUMPFPORST und GAGELSTRAUCH - die zwar nicht botanisch verwandt sind, die ich aber als "seelenverwandt" empfinde und sie deswegen gemeinsam vorstelle. Beide haben nicht nur die Moore als Standorte gemeinsam, sondern auch ihren wunderbar aromatischen Duft.

 

SUMPFPORST - Ledum palustre

LEDUM PALUSTRE - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.
LEDUM PALUSTRE - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.

Der Sumpfporst (Ledum palustre bzw. neu benannt Rhododendron tomentosum) ist eine ureuropäisch-traditionelle Pflanze, die primär in vergangenen Zeiten als berauschender Zusatz für germanische Biere verwendet wurde, aber wegen dem Duft sowie seiner medizinischen und bewusstseins-verändernden Wirkung ebenfalls als Räucherstoff Verwendung finden kann.

 

Räucherungen mit Sumpfporst sind laut Volksmedizin wirksam bei Erkältungen und Lungenerkrankungen; in schamanischen Kulturen Sibiriens wird die Pflanze zur Herbeiführung von Trancezuständen geräuchert und der Rauch dafür tief inhaliert.

In der heutigen Räucherkultur findet man ihn als Teil ureuropäisch-germanischer Räucherungen genauso wie als Teil schamanischer oder archaischer Räucherungen, er ist aber vielen Menschen unbekannt.

 

Die nah verwandte Art Grönländischer Porst (Ledum groenlandicum bzw. neu Rhododendron groenlandicum) aus Nordamerika kann bezogen auf das Räuchern, gleich betrachtet und verwendet werden. Sie unterscheidet sich von der europäischen Art mit den vergleichsweise eher länglich-schmalen Blättern durch ihre etwas gedrungenere, breitere und rundlichere Blattform.

 

Vergleich frischer Zweige von europäischer und nordamerikanischer Art: Links auf dem Foto der SUMPFPORST (Ledum palustre), rechts der GRÖNLANDPORST (Ledum groenlandicum). Der Unterschied der Blattform ist deutlich sichtbar.
Vergleich frischer Zweige von europäischer und nordamerikanischer Art: Links auf dem Foto der SUMPFPORST (Ledum palustre), rechts der GRÖNLANDPORST (Ledum groenlandicum). Der Unterschied der Blattform ist deutlich sichtbar.

 

Der Sumpfporst steht in Europa unter Naturschutz und ist deswegen eigentlich nicht im Handel zu finden, darf in manchen Ländern aber in kleinen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Dennoch bin ich ihm im Räucherstoffhandel sowie im Teehandel laut der Bezeichnung der Ware schon ab und zu begegnet - ob es sich tatsächlich um die europäische Art handelt oder nicht, sei aber dahingestellt, denn der Grönlandporst ist dagegen als "Labrador Tea" im Handel zu finden, vor allem in Nordamerika, wo er aus Kanadischer Wildsammlung stammt.

GAGELSTRAUCH - Myrica gale

MYRICA GALE - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.
MYRICA GALE - Illustration aus "Köhler's Atlas der Medizinalpflanzen" 1887 - BILD: Verwendung gemeinfrei.

Eine weitere Räucherpflanze der nordischen Moore ist der Gagel oder Gagelstrauch (Myrica gale). Er kommt sowohl im Norden Europas als auch in Nordamerika vor, wo er als Gewürzpflanze getrocknet, aus Wildsammlung, angeboten wird, während er in der ureuropäischen Tradition ebenfalls als Bierzusatz mit berauschendem Potenzial Verwendung fand. Bis heute ist Gagel des weiteren als Räucherstoff in Gebrauch, vor allem im Zusammenhang mit den ureuropäischen Traditionen - allerdings ist auch er nicht sonderlich bekannt. Er riecht höchst aromatisch, sein Duft erfüllt dort, wo er gedeiht, bei feuchtwarmen Wetter die gesamte Luft. Die Begegnung mit und das Ernten von Gagel im Jahr 2015 war für mich eines der intensivsten und faszinierendsten Erlebnisse mit Räucherpflanzen!

Gagel Gagelstrauch Myrica gale Räuchern Räucherwerk sammeln
Wildwachsender GAGELSTRAUCH (Myrica gale) in einem norddeutschen Moorgebiet.

 

 

 

Es ist zu beachten, dass die in den Pflanzen enthaltenen ätherischen Öle giftig sind und eventuell Vergiftungserscheinungen oder Unverträglichkeiten hervorrufen können - diese Pflanzen sollten deswegen nur mäßig und von erfahrenen Personen geräuchert werden!!!


RHODODENDRON